Diesen Film durfte ich bereits 1964 als Kind sehen, und er hat mich damals intensiv geprägt. George Orwells filmisch meisterhaft umgesetzte Parabel von 1954 zeigt den schleichenden Prozess, wie aus glühendem Idealismus und dem Ruf nach Gerechtigkeit eine neue, erbarmungslose Tyrannei entsteht.
Blickt man heute auf die globale politische Landschaft, insbesondere die EU und GER wirkt das Gezeigte fast schon unheimlich aktuell. Wir erleben eine Zeit, in der politische Diskurse zunehmend von populistischer Rhetorik, der Manipulation von Sprache und der schrittweisen Verschiebung roter Linien dominiert werden. Damals wie heute zeigt sich: Macht korrumpiert, und wer mit den lautesten Versprechen antritt, baut oft als Erster die alten Privilegien für sich selbst wieder auf.
Man muss gar nicht tief psychologisieren oder spitzfindig darüber debattieren, warum Orwell in seiner Fabel ausgerechnet bestimmte Tierarten für die Rollen der machthungrigen Anführer ausgewählt hat – das wäre rein interpretatorisch an den Haaren herbeigezogen, da es schlicht um universelle, menschliche Verhaltensmuster geht. Wichtig ist die zeitlose Dynamik, die dieser Film entlarvt: Wie schnell aus dem Slogan „Alle Tiere sind gleich“ der zynische Zusatz „...aber einige sind gleicher“ wird.
Ein aufrüttelndes Stück Filmgeschichte, das heute – in einer von Fake News und politischem Machtpoker geprägten Welt – relevanter ist denn je.
Das Buch: George Orwell schrieb die weltberühmte Dystopie zwischen November 1943 und Februar 1944. Veröffentlicht wurde das Werk nach einigen Schwierigkeiten bei der Verlagssuche schließlich am 17. August 1945 in England.
Der Film: Die Realisierung des britischen Zeichentrickfilms durch das Animationsstudio Halas & Batchelor begann im November 1951. Nach einer dreijährigen Produktionsphase wurde der Film im April 1954 fertiggestellt und feierte seine Weltpremiere kurz vor dem Jahreswechsel am 29. Dezember 1954 in New York.