Wolgograd verstehen heißt Geschichte verstehen Die Reportage von Patrik Baab ist weit mehr als ein Reisebericht. Sie ist der Versuch, einen Ort zu erklären, der das kollektive Gedächtnis Russlands bis heute prägt. Wolgograd – das frühere Stalingrad – steht nicht nur für eine der blutigsten Schlachten der Menschheitsgeschichte, sondern für den Wendepunkt im Kampf gegen den Nationalsozialismus.
Baab zeigt eine Stadt, deren Identität untrennbar mit dieser Geschichte verbunden ist.
Er spricht mit Einwohnern über Erinnerung, Patriotismus, Krieg und Frieden und macht deutlich, warum der Sieg von Stalingrad für viele Russen bis heute Teil ihres nationalen Selbstverständnisses ist. Dabei verzichtet er weitgehend auf einfache Schwarz-Weiß-Bilder und vermittelt Eindrücke, die in westlichen Medien nur selten zu sehen sind. Gerade diese unmittelbaren Begegnungen mit den Menschen machen die Reportage so sehenswert.
Vor genau einem Jahr hatte ich selbst die Gelegenheit, völlig ungeplant zum 80. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland in Wolgograd zu sein. Diese Reise hat mich tief berührt. Die stille Ehrfurcht der Menschen haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Als Deutscher wurde ich dort ausschließlich mit Freundlichkeit, Offenheit und Respekt empfangen.
Trotz unserer gemeinsamen Geschichte habe ich keinen Hass erlebt – vielmehr den Wunsch nach Erinnerung und Frieden. Das hat mich nachhaltig beeindruckt.
Gerade deshalb halte ich Reportagen wie diese für wichtig. Man muss nicht jede politische Sichtweise teilen. Aber wer andere Länder verstehen will, sollte bereit sein, ihnen zuzuhören und sich selbst ein Bild zu machen. Patrik Baab gelingt genau das: Er zeigt Menschen, Geschichte und Zusammenhänge – und erinnert daran, dass Verständnis immer mit dem Blick vor Ort beginnt.
Vielen Dank, Herr Baab, für diese hervorragende und ausgewogene Reportage.