Da saßen wir nun. Dezember 2012. Die halbe Welt machte sich vor Angst in die Hose, weil ein paar längst tote Mayas angeblich den Kalender nicht weitergeschrieben hatten. Der Sender PULS 4 witterte die Quote und warf die Scheinwerfer an. Folge 352. Das Thema? „Kommt der große Knall?“
Ich war mittendrin. Eingeladen als Survival-Trainer und Unter-nehmensberater. Mein Job an diesem Abend war es wohl, den Leuten zu erklären, wie man den Weltuntergang überlebt. Ich habe ihnen damals schon gesagt, dass die Welt gar nicht untergehen kann – sie schwimmt ja schließlich nicht einmal. Aber Logik ist ein schlechter Gast in einer Fernsehshow.
Neben mir saßen der Physiker Werner Gruber, die Maya-Expertin Martina Kaller-Dietrich und – das Beste an diesem sterilen Abend – meine Freunde Sylvia Leifheit und Gabriel Barylli. Zwei kreative Seelen im Haifischbecken des Privatfernsehens. Wir dachten, wir führen ein echtes Gespräch. Was für eine Illusion.
Dieses Studio war eine gut geölte Maschine der Manipulation. Die Regie zog die Strippen, die Moderation lenkte die Sätze wie Zuchtvieh in die Koppel, und das Publikum klatschte auf Kommando wie dressierte Affen. Wenn du etwas Vernünftiges sagtest, knallten sie dir am Bildschirmrand eine reißerische Einblendung drunter. Die Zusammenfassung am Tag danach in den NachRichten? Mehr als lächerlich. Eine Karikatur dessen, was wirklich besprochen wurde. Sensationsgeilheit schlägt eben jede Substanz.
Heute schreiben wir das Jahr 2026. Heute lache ich darüber. Die Welt dreht sich immer noch, die Apokalypse hat sich verspätet, und die Mayas behielten unrecht. Was bleibt, ist die Lehre, dass man im Scheinwerferlicht selten die Wahrheit findet. Aber immerhin: Die Gesellschaft im Studio war gut. Und mit Abstand von 14 Jahren betrachtet ganz interessante Diskussion die ich bisher noch nie gesehen hatte.
Hier geht es zur gesamten Sendung: https://www.joyn.at/serien/pro-und-contra/1-352-pro-und-contra-vom-17122012
