Seit zwei Jahren bin ich im Ausland ohne Wohnsitz in Deutschland. Die deutsche Politik interessiert mich eigentlich kaum noch. Ich habe genügend andere Dinge zu tun, als mich täglich darüber aufzuregen, welcher Trottel in Berlin oder irgendeinem Landtag gerade welchen Stuhl besetzt.
Aber was sich nach dieser Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt und der gesamten deutschen Politik abspielt, ist derart peinlich, primitiv und teilweise so erschreckend dumm, dass man kaum wegsehen kann. Leider sind auch viele Propagandamedien mit dabei.
Also sitze ich da. Logenplatz. Popcorn fehlt noch. Die AfD hat gewonnen.
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| https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wahlverhalten-landtagswahl-sachsen-anhalt-2026-102.html |
Und bei den Verlierern scheint plötzlich der politische Weltuntergang ausgebrochen zu sein. Da wird geschrien, gepöbelt, gewarnt, moralisiert und mit dem Finger auf die Wähler gezeigt. Die Demokratie sei gefährdet, die Gesellschaft gespalten, das Land bedroht.
Nur eine Frage hört man erstaunlich selten:
Warum haben uns die Menschen eigentlich nicht mehr gewählt?
Stattdessen schlagen manche um sich wie Ferkel, denen denen man gerade den Fressnapf vor der Schnauze weggezogen hat. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Denn es geht nicht nur um Politik. Es geht um Macht. Einfluss. Posten. Netzwerke. Privilegien. Mandate. Gremien. Geld. Und für manchen Berufspolitiker vermutlich auch um die ziemlich unangenehme Frage, was eigentlich übrig bleibt, wenn all das plötzlich weg ist.
Kein Mandat. Kein Sitzungsgeld. Kein Mitarbeiterstab. Kein Mikrofon. Kein politischer Titel. Nur noch der eigene Lebenslauf. Und dann könnte es tatsächlich interessant und bei Vielen sehr dünn werden.
Denn wer Jahre nur Politik als Job gemacht hat, muss nicht automatisch jahrelang etwas anderes gemacht haben, das ein normaler Arbeitgeber interessant findet. Das ist der Moment, in dem Machtverlust weh tut. Und offenbar bei manchen bis ins Kleinhirn.
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Und so sitze ich weiter in meiner Loge, irgendwo außerhalb Deutschlands, und schaue mir das peinliche Schauspiel an. Ich habe mich aus der deutschen Politik weitgehend verabschiedet. Aber dieses Stück ist inzwischen so eine Mischung aus Tragödie, Komödie und politischem Kasperltheater, dass selbst aus der Ferne Wegschauen schwerfällt.
Macht kann man verlieren. Anstand sollte man dabei besser nicht auch noch verlieren. Aber genau danach sieht es gerade bei einigen aus.
Und wer jetzt glaubt, das war nur Sachsen-Anhalt, der hat den Schuss noch nicht gehört. Das Ding wird nicht dort stehen bleiben. Es wird durch Deutschland laufen wie eine schlecht gelaunte Bulldogge durch eine Kneipe und dabei noch ein paar Tische umwerfen.
Die AfD und nationalistische Parteien im Ausland werden stärker werden. Nicht unbedingt, weil plötzlich alle AfD-Fans geworden sind. Sondern weil die anderen Parteien und Berufspolitiker offenbar mit beeindruckender Konsequenz daran arbeiten, ihre eigenen Wähler zu vertreiben. Je dümmer, arroganter und weltfremder sich manche Politiker dabei aufführen, desto größer wird der Zulauf. Das ist eigentlich ganz einfach. Wenn du dem Mann an der Theke zwanzigmal erklärst, dass sein Bier gar nicht leer ist, obwohl das Glas seit einer Stunde auf dem Kopf steht, wird er irgendwann ziemlich sauer. Und genau das passiert gerade.
Aber Deutschland ist damit keineswegs allein.
Ich bin seit Jahren auch beruflich viel im Ausland unterwegs und bekomme deshalb ziemlich unmittelbar mit, dass sich etwas verändert. In vielen europäischen Ländern wächst der Wunsch nach einer Politik, die wieder stärker von nationalen Interessen, eigenen Grenzen und der Frage ausgeht:
Was ist eigentlich gut für unser eigenes Land und seine Leute?
Das alte politische Rezept, den Menschen von oben zu erklären, was sie zu denken haben, funktioniert immer schlechter. Die Leute haben Augen mit angeschlossenem Gehirn. Sie haben Internet. Sie reisen. Sie reden miteinander. Und sie merken, dass zwischen Sonntagsreden und ihrem eigenen Leben manchmal ein ziemlich tiefer Graben liegt.
Und wenn die etablierten Parteien weiter so tun, als sei nicht ihre Politik das Problem, sondern ausschließlich der Wähler, dann dürfen sie sich über das Ergebnis irgendwann nicht mehr wundern.
Ich sitze derweil weiter in meiner Loge. Irgendwo im Ausland und schaue mir den ganzen Zirkus an. Eigentlich wollte ich längst nicht mehr hinschauen. Aber verdammt noch mal: Wenn die Clowns anfangen, sich gegenseitig die Manege anzuzünden, schaut man eben doch noch ein bisschen zu.

